Aus der Rede zur Verleihung des Ostfriesischen Indigenats an Prof. Wolfram König durch den Landschaftspräsidenten Helmut Collmann am 13. Mai 2011

Das Kollegium der Ostfriesischen Landschaft hat in der Sitzung am 18. April 2011 auf Empfehlung ihres Indigenatsausschusses einstimmig beschlossen, Herrn Prof. Wolfram König am Oll’ Mai 2011 das Ostfriesische Indigenat zu verleihen.

Wolfram König ist der Gründer und künstlerische Leiter des Musikalischen Sommers in Ostfriesland. Er gehört zu den profiliertesten Violinpädagogen unserer Zeit.

1976 ließ sich Wolfram König mit seiner Frau Erika und den beiden Kindern Franziska und Iwan in Aurich nieder. Auf der Suche nach einem Kontrast zur Millionenstadt Tokio mit ihren negativen Umwelteinflüssen hatte die Familie sich die ländliche Region Ostfriesland an der Nordseeküste als neues Domizil ausgewählt. Neben ihrer Tätigkeit an der Auricher Musikschule organisierten Wolfram und Erika König von Beginn an Meisterkurse und kleine Konzerte in Ostfriesland und den angrenzenden Orten in den Niederlanden. Daraus entwickelte sich ab 1983 der Musikalische Sommer in Ostfriesland. Dieser wird 2011 zum 27. Mal durchgeführt. Wer nachrechnet, wird darauf kommen, dass es bereits der 28. Musikalische Sommer sein müsste: In den 1980er-Jahren war die gesamte Familie König im Sommer bei einem Festival in Österreich engagiert, sodass in jenem Jahr der Musikalische Sommer ausfallen musste.

Von Anfang an wurden konsequent die ganze Ostfriesische Halbinsel, die angrenzenden Landkreise und die nördlichen Niederlande in das Festivalprogramm einbezogen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Musikalische Sommer durch das Zusammenwirken von qualitativ hochwertiger Kultur, kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und gastronomisch vorzüglichen Angeboten zu einem Gesamtkunstwerk, das durch ein anspruchsvolles kulturtouristisches Begleitprogramm noch ergänzt wird. Das Konzept verbindet Kultur, Natur und leibliches Wohl zu einer kommunikativen Atmosphäre, die von immer mehr Menschen geschätzt wird.

Weltoffenheit und Spontanität charakterisieren das Prinzip des künstlerischen Leiters und seines Musikalischen Sommers. Qualität und Musikvermittlung stehen bei der Planung im Vordergrund. Dabei werden unterschiedlichste Musikstile verbunden, nicht nur innerhalb des Festivals sondern sogar während eines Konzertes. Uraufführungen, Kompositionsaufträge und die Musik verfemter Künstler werden genauso eingebunden wie Sonderformate wie der Familientag oder das Benefizkonzert. Große Namen waren Wolfram König nie wichtig: Entscheidend ist einzig und allein die künstlerische Leistung der Musiker. Nichtsdestotrotz gab es prominente Gäste und Akteure. Genannt seien an dieser Stelle Otto, Vladimir Ashkenazy und der damalige Bundespräsident Horst Köhler.

Das große Potenzial an Spielorten in Ostfriesland mit Kirchen, Gulfhöfen, Burgen, Schlössern sowie Parks wird von Wolfram König jedes Jahr aufs Neue gekonnt mit einem direkt auf die jeweilige Räumlichkeit zugeschnittenen Programm in Szene gesetzt.

Der Musikalische Sommer in Ostfriesland gehört heute zu den fünf großen, vom Land Niedersachsen als förderungswürdig befundenen Festivals und ist damit kultureller Botschafter Ostfrieslands in aller Welt.

Eine kleine Anekdote aus seiner Zeit in Asien zum Schluss: 1974 ließ sich Wolfram König bei einer Konzerttournee in Colombo, dem heutigen Sri Lanka, überreden, sich von einem »Weissager« aus der Hand lesen zu lassen. Dieser, ein blinder Mann, von einer Art überirdischer Aura umgeben, nickte unablässig mit dem Haupt, um dann anzuheben, er, Wolfram König, sei ein Künstler, der im Laufe seines Lebens noch vor Präsidenten und sogar gekrönten Häuptern auftreten würde und auch viele Ehrungen bekäme. Diese Episode geriet in Vergessenheit, aber schon ein Jahr später, nach der Aufführung von Beethovens Tripelkonzert in der Konzerthalle Tokyo Bunka Kaikan, verlangte der damalige Sohn des Kaisers, Kronprinz und heutiger Kaiser Akihito von Japan, der unter den Hörern im Konzertsaal saß, die Musiker zu begrüßen.

Aurich, den 13. Mai 2011
Helmut Collmann,
Präsident der Ostfriesischen Landschaft

aus dem Jahresbericht der Ostfriesischen Landschaft 2011, S. 16-18

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